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Mitteilungen und Verfahren

29.10.2013

Von: Nikolai Odebralski

schwere Brandstiftung: Freispruch für 52-jährige (AG Bremen)

Nach drei Verhandlungstagen am Schöffengericht Bremen und umfassender Beweiserhebung wurde die 52-jährige Angeklagte letzlich von allen Tatvorwürfen freigesprochen.

Die Staatsanwaltschaft war davon überzeugt gewesen, dass meine Mandantin im Jahre 2010 ihr Haus - gelegen in einem Vorort von Bremen - in Brand gesetzt hatte. Daraufhin hatte das Feuer auch auf die Nachbarhäuser übergegriffen und diese teilweise zerstört, sowie die Nachbarn durch die Rauchentwicklung gesundheitlich gefährdet.

Meine Mandantin selbst beteuerte ihre Unschuld, berief sicher jedoch hinsichtlich des Abends, an welchem der Brand in ihrer Wohnung ausgebrochen war, auf alkoholbedingte Erinnerungslücken. Sie berichtete aber davon, dass es wenige Stunden vor dem Ausbruch des Brandes einen heftigen Streit mit ihrem Sohn gegeben habe, in welchem dieser körperlich übergriffig geworden sei und ihr zudem gedroht habe. Nach diesem Vorfall war sie derart mitgenommen, dass sie sich dem Alkohol zuwandte.

Daraufhin setzten Erinnerungslücken ein, sie könne sich erst wieder daran erinnern, in der Nacht in einer Bar gewesen und dort weitergetrunken zu haben, danach sei sie zu einem Bekannten gegangen.

Obwohl die Vertreter der Staatsanwaltschaft sich redlich (und in nahezu schon kreativer Weise) darum bemühten, einen Tatnachweis zu konstruieren, schloss sich das Gericht letztlich dem Plädoyer der Verteidigung an, wonach ein Tatnachweis hier anhand der zur Verfügung stehenden Beweismittel eben nicht zu führen ist.

Denn am Ende des Prozesses blieben einfach zu viele Fragen offen, beispielsweise die elementare Frage nach dem Motiv für ein solches Verhalten. Was sollte eine fünfzigjährige nicht vorbestrafte Frau dazu bringen, plötzlich ihre eigene Wohnung anzuzünden?

Zudem war mit der Auffassung der Staatsanwaltschaft die Tatsache nicht in Einklang zu bringen, dass ein Nachbar bereits im Rahmen der Ermittlungen gegenüber der Polizei berichtet hatte, er habe kurz vor dem Ausbruch des Brandes eine männliche Person aus dem Haus meiner Mandantin kommen sehen.

Zudem konnten auch an der Bekleidung meiner Mandantin keine Rückstände von Rauch oder Russ festgestellt werden, darüber hinaus berichtete auch der Bekannte, zu welchem sie in der Nacht noch gegangen war, davon, an ihr keinerlei Geruch von Rauch oder Hinweise auf ein Brand festgestellt zu haben.

So fand das Schöffengericht am Ende der Verhandlung des hier sicherlich richtige Urteil: „in dubio pro reo“ – im Zweifel für die Angeklagte.

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