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Mitteilungen und Verfahren

26.02.2014

Von: Nikolai Odebralski

sexueller Missbrauch von Kindern: Freispruch

Das Amtsgericht Essen hat einen Angeklagten vom Vorwurf des sexuellen Missbrauches von Kindern freigesprochen.

 

Die Staatsanwaltschaft hatte unserem Mandanten einen Klassischen Fall des sog. Cybergrooming vorgeworfen.

Erklärung "Cybergrooming":

Mit dem englischen Begriff Cyber-Grooming (aus dem Englischen: to groom = striegeln, zurechtmachen, vorbereiten; zu Deutsch sinngemäß Internet-Anbahnung) wird das gezielte Ansprechen von Personen im Internet mit dem Ziel der Anbahnung sexueller Kontakte bezeichnet. Es kann sich demnach um eine besondere Form der sexuellen Belästigung im Internet handeln. Während sich der Begriff im Englischen sowohl auf Voll- als auch auf Minderjährige beziehen kann, hat er sich im Deutschen als auf Minderjährige (Kinder und Jugendliche) bezogen eingebürgert.


Konkret sollte der Beschuldigte über das Internet - konkret unter Verwendung des sozialen Netzwerkes Facebook - Kontakt zu einem 12-jährigen Mädchen aufgenommen haben. Nachdem er dann zu ihr ein vertrauensverhältnis aufgebaut hatte, forderte er sie dazu auf, sexuelle Handlungen an sich selbst vorzunehmen, diese aufzuzeichnen und ihm diese Aufnahmen sodann zu übersenden. Zudem habe er ihr eindeutige sexuelle Nachrichten geschickt - grundsätzlich strafbar als sexueller Missbrauch von Kindern, hier in Form des sexuellen Redens gegenüber Kindern, strafbar nach § 176 Abs. 4 Nr. 4 StGB.

Mit der Anklageschrift in der Hand wandte sich der beschuldigte an die Rechtsanwaltskanzlei Nikolai Odebralski - bundesweite Strafverteidigung - und bat um Hilfe. Die Nachrichten seien zwar von seinem Account verschickt worden, doch war dieser in der Vergangenheit schon öfter (was auch durch die Vorlage von entsprechenden Mitteilungen gegenüber Facebook nachgewiesen werden konnte) gehackt worden.

Die entsprechenden Nachweise hatte mein Mandant der Polizei auch schon im Rahmen seiner Beschuldigtenvernehmung übergeben, die Staatsanwaltschaft Essen hatte dies jedoch als "Schutzbehauptung" bewertet.

Auch hatte es die Staatsanwaltschaft nicht als Indiz gegen die Täterschaft meines Mandanten gewertet, dass die strafbaren Nachrichten von seinem eigenen - auch unter seinem richtigen Vor- und Zunamen betriebenen - Account geschickt worden waren. Bei der Gelegenheit: mein Mandant hatte Abitur und hätte wohl leicht vorhersehen können, dass er als Täter eines sexuellen Missbrauches von Kinden schnell ausfindig gemacht werden würde, wenn er solche strafbaren Handlungen von seinem eigenen Account aus vornehme. Insofern hätte es doch für ihh - wenn er tatsächlich so eine Straftat hätte begehen wollen - näher gelegen, einen sog. Fake-Account anzulegen und hierüber Straftaten zu begehen. 

In der Verhandlung vor dem Amtsgericht Essen konnte die Verteidigung dann aber dem Gericht und der Staatsanwaltschaft die entlastenden Argumente nahe bringen, so dass letztlich auch der Vertreter der Staatsanwaltschaft über die massiven Zweifel an der Täterschaft  nicht hinwegsehen konnte und die Freisprechung des Angeklagten forderte. Und so kam es dann auch.

Einen bitteren Nachgeschmack Hinterließ dann aber das Verhalten der Eltern des Mädchens, welche den soeben freigesprochenen jungen Mann auf dem Gerichtsflur lauthals als "pädophiles Schwein" bezeichneten - und hierbei offenbar gar nicht verstanden, dass niemand dem Kind die Opferrolle absprechen wollte. Er war nur eben nicht der Angaklagte, welcher Ihrer Tochter die Nachrichten geschrieben hatte.

Was bleibt ist ein sicherlich richtiger Freispruch aufgrund massiver Zweifel an der Schuld dieses Angeklagten. Doch droht den Eltern des Kindes - welche eine soeben frei gesproche Person mit Schimpfwörtern überziehen - eine Strafverfolgung wegen Beleidigung? Natürlich nicht...hier wird nicht mal ein Verfahren eingeleitet: eine solche Reaktion - so die Staatsanwaltschaft - sei "menschlich absolut nachvollziehbar".

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