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Mitteilungen und Verfahren

24.06.2014

Freispruch: Missbrauchsvorwurf offensichtlich erfunden (LG Lübeck)

Die Jugendschutzkammer am Landgericht Lübeck hat einen 38-jährigen Mann bereits nach der Aussage der (vermeintlich geschädigten) Stieftochter vom Vorwurf des sexuellen Missbrauches von Schutzbefohlenen freigesprochen.

 

Bereits die Umstände, unter welchen der Tatvorwurf erstmals bekannt geworden sein soll, wecken erhebliche Zweifel daran, ob diese zutreffend sind: so hatte sich die vermeintlich Geschädigte nach einem massiven Streit im Elternhaus - in welchem es auch teilweise zu Gewalt und emotionaler Vernachlässigung gekommen sein soll - an eine Mitschülerin gewandt und dieser unter Tränen gestanden, sie werde von ihrem Vater „misshandelt“.

Die aufgeregte Mitschülerin war daraufhin zur Vertrauenslehrerin der Schule geeilt und hatte dieser weitergegeben, dass ihre Freundin ihr gerade davon berichtet hatte, sie werde von ihrem Stiefvater „vergewaltigt“.

Daraufhin nahm die Sache ihren Lauf, das Mädchen wurde duch das Jugendamt – ebenso wie ihre Schwester - zunächst aus der Familie genommen und in einem Pflegeheim untergebracht, angesichts der massiven Vorwürfe wurde seitens des Jugendamtes zudem eine absolute Kontaktsperre mit dem Vater angeordnet.

Ein sodann erstattetes aussagepsychologisches Gutachten kam jedoch zu dem Ergebnis, dass erhebliche Zweifel an der so genannten „Erlebnisbasiertheit“ der Aussage des Mädchens bestünden. Denn so hatte diese sich nicht nur zu unterschiedlichen Vernehmungszeitpunkten völlig widersprüchlich zu einzelnen vermeintlichen Taten geäußert.Auch an den letzten behaupteten Übergriff - welcher lediglich ein Tag vor der ersten Offenbarung passiert sein sollte - konnte sie sich plötzlich nicht mehr genau erinnern.

Das außerpsychologische Gutachten kann somit zu dem Ergebnis, dass die Angaben massiv inkonstant seien und sich auch die Hypothese, dass es sich bei den vorliegenden Vorwürfen um eine bewusste und zielgerichtet Falschaussage handelt nicht mit Sicherheit zurückweisen lassen.

Ein zeitgleich in Auftrag gegebenes DNA-Gutachten stellte jedoch an den Kleidungsstücken des Beschuldigten sowie ein Kleidungsstück in der Anzeigeerstatterin sogenannte "Mischspuren" beider Personen fest.

Die Schlussfolgerung der Staatsanwaltschaft Lübeck: diese Spuren seien ein Beweis für den behaupteten Missbrauch.

Somit kam es dazu, dass Mitte 2014 Anklage zu Jugendschutzkammer am Landgericht Lübeck erhoben wurde, der Vorwurf lautete auf sexuellen Missbrauch von Schutzbefohlenen in einem Fall. Vor dem Landgericht Lübeck verstrickte sich die Stieftochter - welche sich auch noch eine Anwältin nahm um als Nebenklägerin in dem Verfahren aufzutreten - sodann gleich zu Beginn in der massive Widersprüche, so dass allen Beteiligten im verhandlungssaal relativ schnell klar wurde: auf eine solche Aussage ist eine Verurteilung des Angeklagten nicht zu stützen.

Nachdem die Aussagepsychologin dann die Ergebnisse ihres Gutachtens noch einmal bestätigt hatte und auch die eigens hierfür geladene DNA-Sachverständige erklärte, dass die Spuren auch durch eine Faserspurenübertragung erklärbar seien, war allen Beteiligten schnell deutlich worauf es hinauslaufen würde.

So wurde der Angeklagte bereits am ersten Verhandlungstag wegen massiver Zweifel an der Glaubwürdigkeit der Anzeigeerstatter freigesprochen.

Für den Beschuldigten ist die Sache aber hiermit nicht zu Ende: er muss gegenüber dem Jugendamt nachweisen, dass - trotz des Freispruchs - alle Zweifel an seiner Schuld ausgeräumt sind und darum kämpfen, dass er wieder Kontakt zu seiner anderen Tochter bekommt.

 

 

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