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Mitteilungen und Verfahren

29.10.2014

Von: Nikolai Odebralski

Vergewaltigung: 100 Sozialstunden für Heranwachsenden (AG Bochum)

Ungewöhnlich milde erscheint das Urteil des Schöffengerichts Bochum gegen einen Heranwachsenden auf den ersten Blick.

 

die Staatsanwaltschaft Bochum hatte meinem Mandanten zur Last gelegt, eine gleichaltrige 20-jährige Frau im Jahre 2013 zum Geschlechtsverkehr gezwungen zu haben und ihn daher wegen sexueller Nötigung im besonders schweren Fall - Vergewaltigung - angeklagt.

Was sich zunächst nach einem schweren Gewaltverbrechen anhört, war im hier zu Verhandlung anstehenden Fall jedoch so, dass zunächst einvernehmliche intime Kontakte stattgefunden hatten, die Frau hatte dem Beschuldigten Hoffnung dahingehend gemacht, dass es zum Geschlechtsverkehr kommen würde.

Nachdem man sodann einvernehmlich Zärtlichkeiten ausgetauscht hatte, hatte es sich die junge Frau offenbar doch anders überlegt, und bat den Mann aufzuhören - was dieser jedoch erst etwa zehn Sekunden tat. Aufgrund der Äußerung der Frau des entgegenstehenden Willens war das Verhalten des Beschuldigten tatbestandlich als Vergewaltigung zu bewerten, denn er hatte den Geschlechtsverkehr gegen ihren Willen ausgeübt.

Die Frau hatte dem Beschuldigten danach zwar wegen seines Verhaltens schwere Vorwürfe gemacht, die dieser sich wiederum so zu Herzen nahm, dass er selbst die Polizei rief um sein eigenes Verhalten anzuzeigen.

Im Rahmen der polizeilichen Vernehmung zeigte die junge Frau dann wenig Interesse an der weiteren Verfolgung der Tat, da die Sache für sie soweit erledigt war. Anträge auf Schmerzensgeld stellte die junge Frau nicht, auch zur Verhandlung erschien sie ohne Angabe von Gründen nicht.

Aufgrund der Besonderheiten des Falles zeigt sich der Schöffengericht Bochum milde und verurteilte den Angeklagten wegen Vergewaltigung zur Ableistung von 100 Arbeitsstunden.

Aufgrund der Verurteilung erfolgt besondere keine Eintragung ins polizeiliche Führungszeugnis, womit der junge Mann bei seinen Bewerbungen künftig als "nicht vorbestraft" gilt.

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