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Mitteilungen und Verfahren

04.12.2014

Von: Nikolai Odebralski

Freispruch vom Vorwurf der versuchten Vergewaltigung (LG Dresden)

Auf die Berufung der hiesigen Kanzlei hin, hat das Landgericht Dresden einen fehlerhaften Richterspruch des Amtsgerichts berichtigt und den Angeklagten vom Vorwurf der versuchten Vergewaltigung freigesprochen.

 

Hiermit korrigiert das Landgericht ein Urteil des Amtsgerichts Dresden aus dem Juni 2014; das Amtsgericht hatte den Angeklagten wegen versuchter sexueller Nötigung zu einer Bewährungsstrafe verurteilt.

Hintergrund war ein Vorfall, welcher sich im Jahre 2013 in einem Park in Dresden ereignet hatte. Ein Mann hatte sich einer Frau zu später Stunde von hinten genähert und versucht, dieser auf einem offenen - und im Übrigen auch beleuchteten und nicht abgelegenen - Gehweg, die Hosen herunter zu ziehen. Nachdem die Frau aber erschrocken reagiert und infolgedessen laut um Hilfe gerufen hatte, verließ der Mann den Ort und entfernte sich, wurde jedoch noch am nächsten Tag ausfindig gemacht.

Die Staatsanwaltschaft Dresden hatte die Schlussfolgerung gezogen, dass jemand einer Frau abends nur an der Hose ziehe „wenn er auch anschließend etwas sexuelles vorhabe“. Anders ließe sich ein solches Verhalten jedenfalls nicht erklären, der Mann sei daher wegen versuchter sexueller Nötigung anzuklagen. Hieran ändere auch nichts, dass der Mann ein sexuelles Motiv stets in Abrede gestellt hatte, sogar zu einem Zeitpunkt, als er noch nicht von einem Rechtsanwalt bzw. Strafverteidiger vertreten war.

Auch die Geschädigte entwickelte – aus hier bis heute nicht nachvollziehbaren Gründen - ein reges Interesse an dem Verfahren, beauftragte eine Anwältin mit der Wahrnehmung ihrer Interessen und schloss sich dem Verfahren im Wege einer sog. Nebenklage an. Anwaltlich vertreten, ließ die Nebenklägerin dann in der Folge über ihre Anwältin – was befremdlich ist – sogar Argumente dafür anführen, weshalb das Verhalten meines Mandanten rechtlich als versuchte Vergewaltigung zu bewerten sei.

Nachdem im Ermittlungsverfahren bereits darüber gestritten worden war, ob das Verhalten meines Mandanten tatsächlich als versuchte sexuelle Nötigung oder vielmehr lediglich als Körperverletzung bzw. (einfache) Nötigung zum Nachteil der Frau zu bewerten war, kam es im Sommer 2014 zur Verhandlung vor dem Amtsgericht Dresden.

Nachdem die Staatsanwältin und Nebenklagevertreterin hier den Schulterschluss gewagt hatten, gelang es beiden Frauen, den (auf diesem Gebiet offenbar unerfahrenen und auch wenig vorbereiten) Amtsrichter davon zu überzeugen, dass hier ein sexuelles Motiv handlungsleitend gewesen sei müsste.

Am Landgericht Dresden setzt man sich dann jedoch eingehender und differenzierter mit dem Fall und den Argumenten der Verteidigung auseinander und gelangte so zu dem Ergebnis, dass ein sexuelles Motiv seitens meines Mandanten jebenfalls nicht mit hinreichender - und für eine Verurteilung erforderlicher - Sicherheit festzustellen sei.

Die Folge:

Freispruch vom Tatvorwurf der versuchten Vergewaltigung (sexuellen Nötigung); die Verurteilung erfolgte sodann lediglich noch wegen Körperverletzung und (einfacher) Nötigung.

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