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Mitteilungen und Verfahren

24.06.2015

Von: Nikolai Odebralski

Kein Missbrauch im Zeltlager: Verfahren nach 2 Jahren eingestellt (Essen)

Nach einer unglaublich langen Bearbeitungszeit von mehr als zwei Jahren hat die Staatsanwaltschaft das gegen einen Mann wegen sexuellen Missbrauchs von Kindern geführte Ermittlungsverfahren mangels Tatverdacht endklich eingestellt. Aus hiesiger Sicht wenig überraschend, die Widersprüchlichkeiten waren bereits zu Beginn mehr als offensichtlich.

 

Meinem Mandanten war vorgeworfen worden, ein junges Mädchen im Rahmen einer Freizeitveranstaltung sexuell missbraucht zu haben. Konkret sollte er sich zu den Mädchen in das Zelt geschlichen und hier unterschiedliche sexuelle Handlungen zu ihrem Nachteil vorgenommen haben.

Der Vorfall sollte sich Mitte des Jahres 2013 ereignet haben, zu dieser Zeit hatte sich der Mann - Hilfe suchend und von den Vorwürfen sichtlich mitgenommen - an unsere Kanzlei gewendet.

Nachdem die Staatsanwaltschaft bereits im Ermittlungsverfahren unsauber gearbeitet und das Verfahren hierdurch früh in eine prozessuale Schieflage gebracht hatte, gingen der Verteidigung die Akten erst viele Monate später zu, als es eigentlich der Fall hätte sein sollen. Eine (unnötig lange) Zeit des Bangens für meinen Mandanten, der stets seine Unschuld beteuerte.

Bereits aus den Akten wurde ersichtlich, dass die erhobenen Vorwürfe nicht auf einem tatsächlichen Erleben basieren konnten und insofern zu Unrecht - jedenfalls gegen meinen Mandanten - erhoben worden waren. Hierauf wurde in einem umfangreichen Verteidigerschriftsatz hingewiesen und bereits Ende 2013 beantragt, das Verfahren mangels Tatverdacht einzustellen.

Dem kam die zuständige Sachbearbeiterin bei der Staatsanwaltschaft Essen nicht nach, sondern beantragte (aus wenig nachvollziehbaren Gründen) die Einholung eines aussagepsychologischen Sachverständigengutachtens. Hierzu muss angemerkt werden, dass die Würdigung von Beweisen eigentlich Aufgabe eines Staatsanwaltes ist und dieser dem auch gewachsen sein müsste - und es die meisten auch sind.

Wegen einer fehlerhaften Gutachterauswahl durch die - mit diesem Verfahren offenbar überforderte - Staatsanwältin benötigte es ein weiteres Jahr, bis das Gutachten vorlag: wenig überraschend mit dem Inhalt, dass die Vorwürfe nicht zutreffend sein können. 

Hierdurch offenbar in ihrem blinden Verfolgungseifer persönlich betroffen, versuchte die Staatsanwältin, welcher das Ergebnis offenbar einfach nicht passte, die Einholung eines weiteren Sachverständigengutachtens bei einer der Staatsanwaltschaft Essen sehr zugetan Gutachterin zu bewerten, welches dann zu dem Ergebnis hätte kommen sollen, dass die Vorwürfe zutreffend sein. Begründung: Das vorgelegte aussagepsychologische Sachverständigengutachten sei methodisch mangelhaft was die Staatsanwältin - obwohl sie in diesem Bereich gar nicht ausgebildet ist - hier plötzlich beurteilen können wollte.

Hierzu kam es aber glücklicherweise nicht mehr, die Belastungszeugin gab plötzlich an, für Rückfragen nicht weiter zur Verfügung zu stehen; den Grund für ein solches Verhalten mag sich jeder selbst denken

Nach einer belastende Zeit von nunmehr mehr als zwei Jahren wurde das Verfahren wegen sexuellem Missbrauch von Kindern Mitte 2015 endlich endgültig mangels Tatverdacht eingestellt.

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