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Mitteilungen und Verfahren

13.09.2015

Von: Nikolai Odebralski

Vergewaltigung: Vorwürfe zweifelhaft, Angeklagter freigesprochen (LG Essen)

Nach 6 Monaten in Untersuchungshaft hat das Landgericht Essen einen 40 jährigen Mann unter anderem vom Vorwurf der mehrfachen Vergewaltigung freigesprochen.

 

Dem Beschuldigten war zudem vorgeworfen worden, diverse Kinder der Nachbarsfamilie sexuell missbraucht zu haben. Im Rahmen der Vernehmung beim Gericht machten die vermeintlich geschädigten Kinder sodann aber entweder gar keine Angaben zu den angeblichen Übergriffen oder solche, welche wesentlich von ihren Angaben im Rahmen der polizeilichen Vernehmung abwichen. Hier wurde schnell deutlich, dass auf diese Schilderungen eine Verurteilung nicht gestützt werden konnte.

Ferner war mein Mandant angeklagt, er habe seine damalige Ehefrau bei zwei Gelegenheiten vergewaltigt - von Anfang an kurios: die Vergewaltigungen der Ehefrau sollten sich schon in den Jahren 1998 und 2004 ereignet haben.

In Jahre 1999 heiratete man, insgesamt hielt die bis zum Jahre 2008, aus ihr gingen insgesamt 4 gemeinsame Kinder hervor bis mein Mandant letztlich die Scheidung aufgrund unüberwindbare Differenzen einreichte - und diese trotz Widerstandes der Frau durchsetzte. 

Erst nach der Festnahme meines Mandanten und Anordnung der Untersuchungshaft will sich die ehemalige Ehefrau sodann in der Lage gesehen haben, die Vorwürfe zur Anzeige zu bringen.

Obwohl diese Geschichte bereits aus sich heraus wenig nachvollziehbar und erheblich lebensfremd erscheint, stieß man offenbar bei der Staatsanwaltschaft Essen hiermit auf offene Ohren, die diese Darstellung ungefiltert übernahm und Anklage erhob. Im Rahmen der Hauptverhandlung wurde den Beteiligten schnell klar, dass die Vergewaltigungsvorwürfe eher der Fantasie, als einem realen Erleben entsprungen sein dürften.

So wichen die Darstellung zu der vermeintlichen Vergewaltigung erheblich von den Schilderung bei der Polizei ab, nicht nur was die angebliche Tatzeiten sondern auch die Umstände anbelangt. Somit wurde allen Beteiligten bei der Vernehmung schnell deutlich, dass dieser Vorwurf unzutreffend waren.

Letztlich sprach das Gericht dem Beschuldigten sodann vom Vorwurf des sexuellen Missbrauchs von Kindern in mehreren Fällen sowie von dem Vorwurf der Vergewaltigung  frei. Im Ergebnis wird das Land nun eine Haftentschädigung wegen der zu Unrecht erlittenen Untersuchungshaft zu zahlen haben, der Angeklagte gilt infolge Freispruchs auch sozial als völlig rehabilitiert.

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