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Mitteilungen und Verfahren

20.12.2015

Von: Nikolai Odebralski

Freispruch: keine Vergewaltigung der Ex-Freundin (Münster)

Wenn im Rahmen eines laufenden Sorgerechtsstreites plötzlich gegen den Kindesvater der Vorwurf der Vergewaltigung erhoben wird, ist dies stets mit besonderer Vorsicht zu genießen.

I.

Wird von einer Frau gegenüber dem Ex-Partner im Rahmen von Trennungsstreitigkeiten der Vorwurf der Vergewaltigung erhoben, kann dies  unterschiedliche Gründe haben:

zunächst mag jedem der nahe liegendste Grund einfallen, die Vorwürfe werden von der Frau so erhoben, da sich die Vergewaltigung tatsächlich ereignet hat; der Mann ist ein Schwein, die Frau das arme Opfer.

Leider kommt es aber - insbesondere in Trennungssituationen und wenn es gemeinsame Kinder gibt - regelmäßig auch dazu, dass diese Vorwürfe aus anderen Gründen erhoben werden: nämlich um sich des unliebsamen Ex Freundes zu entledigen und den Weg frei zu machen für eine ungestörte Zukunft mit dem neuen Partner und dem gemeinsamen Kind.

Denn ist der Ex-Freund erst einmal wegen Vergewaltigung verurteilt und in der JVA untergebracht, wird die neue Partnerschaft nicht mehr durch die Geltendmachung von unliebsamen Umgangskontakten gestört. Auch nach der Haftentlassung dürfte es dem Kindesvater schwer fallen, Umgangskontakte einzuklagen - denn bekanntlich genießen verurteilte Vergewaltiger keinen besonders guten Ruf.

Und wer nun glaubt, so etwas komme in der Praxis nicht vor, der liegt leider absolut falsch.

II.

Einen besonders einprägsamer und offensichtlichen Fall dieser Art ereignete sich vor dem Landgericht Münster, hier war mein Mandant angeklagt worden, seine ehemalige Partnerin nach Abschluss der Beziehung gegen ihren Willen zum Geschlechtsverkehr gezwungen zu haben.

Im Rahmen der über viele Tage andauernden Hauptverhandlung stellte sich sodann heraus: die Vorwürfe waren offenbar gezielt erhoben worden waren, um den Kindesvater aus dem Weg zu räumen.

Das Gericht und die Verteidigung waren der Belastungszeugin auf die Schliche gekommen, da diese zunächst angegeben hatte, nach Abschluss der Beziehung nur noch 2 mal mit dem Angeklagten geschlechtlich verkehrt zu haben, wobei auch dies mehr oder weniger gegen ihren Willen geschehen sei. Darüber hinaus habe es sicherlich keine privaten oder intimen Kontakte mehr zu ihm gegeben - "ganz sicher nicht, Herr Richter"

Auf Antrag der Verteidigung wurde das Mobiltelefon des Angeklagten sodann ausgewertet, der hier aufgefundene Whatts-App-Verkehr entlarvte die Darstellung der Anzeigeerstatter als völliges Lügenkonstrukt.

So waren - entgegen Ihrer Darstellung - tausende von teils intimen und persönliche Nachrichten ausgetauscht worden, von nicht einvernehmliche Verkehr konnte insofern nicht ansatzweise die Rede sein (die hierzu hilflos abgegebenen Erklärungsversuche a la "oh, da bin in ja jetzt selbst ganz überrascht wenn ich höre, was ich da so geschrieben habe - das hatte ich ja völlig anders in Erinnerung" brachten der Anzeigeerstatterin sogar selbst am Ende ein Verfahren wegen Falschaussage und Meineides ein).

Auch weitere Indizien, wie etwa die seltsame Verhaltensweise der Anzeigeerstatterin in der Folgezeit sowie auch die Art der Darstellung der angeblichen Vergewaltigung gegenüber dem Landgericht Münster weckten erhebliche Zweifel an der Richtigkeit der Angaben.

Im Ergebnis sprach das Gericht den Angeklagten auch ohne aussagepsychologisches Gutachten  frei - zugleich leitete die Staatsanwaltschaft Münster ein Strafverfahren gegen die Anzeigeerstatterin wegen des Vorwurfes der falschen Verdächtigung, der Falschaussage sowie der versuchten schweren Freiheitsberaubung ein.

Eine richtige Reaktion, denn die Instrumentalisierung eines Vergewaltigungsvorwurfs ist nicht nur im höchsten Maße verachtenswert sondern führt auch dazu, dass Frauen denen derartiges tatsächlich passiert, weniger geglaubt wird.

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