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Mitteilungen und Verfahren

22.12.2015

Von: Nikolai Odebralski

Sex mit 12-jähriger: 50 Sozialstunden für Heranwachsenden (Ahrensburg)

Mit ungewöhlicher Milde hat das Amtsgericht Ahrensburg einen "schweren sexuellen Missbrauch" eines 12-jährigen Mädchens duch einen 19 Jährigen sanktioniert - zu dem Geschlechtsverkehr war es nach einer vorangegangenen Beziehung und in gegenseitigem Einvernehmen gekommen.

Manchmal wird erst an dem Inhalt eines Strafverfahrens deutlich, dass in diesem nicht das drin steckt, was der Straftatbestand erwarten lässt. Denn geht es um den Vorwurf des schweren sexuellen Missbrauchs von Kindern, kommt den meisten Personen ein etwa 50-jähriger Angeklagter und ein Kind im Grundschulalter in den Sinn. .

Anders lagen die Dinge in einem Strafverfahren, was vor dem Amtsgericht Ahrensburg (Staatsdanwaltschaft Lübeck) zur Verhandlung anstand. Hier hatte ein 19 jähriger junger Mann über das Internet Kontakt zu einem Mädchen aufgenommen, welche sich ihm zunächst als 16 Jahre alt vorstellte. Nachdem sich von seiner Seite aus Gefühle entwickelt hatten, eröffnete sie ihm nach einiger Zeit dass sie noch nicht 16 sondern vielmehr erst 12 Jahre alt war. Der junge Mann hatte zwar Bedenken wegen des Altersunterschiedes, war aber zu diesem Zeitpunkt schon bis über beide Ohren verliebt.

In der Folgezeit kam es zu einer typischen Teenager-Beziehung, in welcher es neben unterschiedlichen sexuellen Kontakten letztlich auch zu Geschlechtsverkehr zwischen beiden Personen kam. Dieser passierte indes in völligem gegenseitigen Einvernehmen und wurde rückblickend von dem Mädchen als "schönes Erlebnis" bezeichnet.

Nachdem der Vater des Mädchens hiervon Kenntnis erlangt hatte, zeigte er den Jungen bei der Polizei an, die Staatsanwaltschaft Lübeck leitete zurecht ein Strafverfahren wegen des schweren sexuellen Missbrauchs von Kindern ein. Zurecht, denn der Gesetzgeber verbietet jegliche sexuelle Kontakte mit Personen unter 14 Jahren.

In der Urteilsbegründung lies das Amtsgericht Ahrensburg Verständnis erkennen und wies zugleich in der mündlichen Urteilsbegründung auf den Sinn des Straftatbestandes hin: dass der Gesetzgeber keine Teenager-Beziehungen verbieten will, wohl aber sexuelle Kontakte zwischen Personen ungleicher Altersgruppen. Denn eine 12 Jährige ist gegenüber einem "Erwachsenen" und dessen (sexuellen) Ansinnen struktull unterlegen, was gegenüber einem Gleichaltrigen nicht der Fall ist. Dem ist nichts hinzuzufügen.

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