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Mitteilungen und Verfahren

07.01.2016

Von: Nikolai Odebralski

Missbrauch: keine öffentliche Hauptverhandlung für geständigen Rentner (Mühlhausen)

Im Wege eines sog. Strafbefehls hat das Amtsgericht Mühlhausen (auf Anregung der Verteidigung) das Strafverfahren gegen einen Rentner zum Abschluss gebracht - und diesem hierdurch eine öffentliche Hauptverhandlung erspart.

Dem mittlerweile nahezu 80-jährigen Senioren aus Mühlhausen war vorgeworfen worden, gegenüber seiner Nichte in den Jahren 2001 / 2002 bei mehreren Gelegenheiten sexuell übergriffig geworden zu sein.

Die Nichte hatte die Vorfälle erst nach einer derart langen Zeit angezeigt, nachdem es zu einem Streit innerhalb der Familie gekommen war. Der Beschuldigte entschied sich gleich zu Beginn des Verfahrens dazu, die Verantwortung für seine Verfehlungen zu übernehmen und den sexuellen Missbrauch vollumfänglich einzuräumen.

(Hiermit konnten die Weichen gestellt werden für eine so genannte Strafmaßverteidigung, bei welcher das Ziel darin besteht, die Folgen für die eingestandene Verfehlung möglichst gering zu halte). 

Angesichts des frühen Geständnisses konnte die geschädigte - mittlerweile erwachsene - junge Frau bereits zu Beginn des Verfahrens ebenfalls durch die Verteidigung davon in Kenntnis gesetzt, dass der Beschuldigte die Vorwürfe eingesteht und es somit nicht zu einer konfrontativer Befragung im Rahmen einer Hauptverhandlung kommen würde. Die Frau reagierte hierauf mit deutlicher Erleichterung, da sie befürchtet hatte, man werde versuchen, Sie im Rahmen einer Hauptverhandlung vor dem AG Mühlhausen moralisch zu diskreditieren und unglaubwürdig zu machen.

Hierzu kam es sodann infolge des frühen Geständnisses sowie einers vereinbarten Täter-Opfer-Ausgleiches nicht; durch diese konnte auch die Staatsanwaltschaft Mühlhausen dazu bewegt werden, der beantragten außergerichtlichen Beendigung des Verfahrens zuzustimmen.

Durch diese bleibt dem Beschuldigten infolge der früh richtig gewählten und umgesetzten Verteidigungsstrategie eine öffentliche Hauptverhandlung erspart, welche insbesondere im ländlichen Bereich unbedingt vermieden werden sollte, da beim Bekanntwerden derartiger Vorfälle weitreichende soziale Konsequenzen drohen.

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