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Mitteilungen und Verfahren

27.04.2016

Von: Nikolai Odebralski

Freispruch: keine Vergewaltigung im Türkei-Urlaub 2011 (LG Köln)

Das Landgericht Köln hat einen jungen Mann vom Vorwurf der Vergewaltigung frei gesprochen; die Aussage des angeblichen Opfers sei in wesentlichen Teilen "fragmentarich, widersprüchlich und wenig nachvollziehbar". Mit dem Freispruch nimmt für den jungen Mann ein sein unmehr 5 Jahren andauernder Alptraum ein Ende. Er hatte die Vorwürfe stets bestritten.

 

Spektakulär: bereits in der Türkei hatte es wegen dieses Vorfalles schon 2011 ein Ermittlungsverfahren bei der Staatsanwaltschaft Ankara gegeben, der jungen Man hatte dort sogar in Untersuchungshaft gesessen. Nachdem man die Zeugin dort aber bereits für unglaubwürdig gehalten hatte, wurde das Verfahren von den türkischen Behörden eingestellt. Erst nachdem der Vater des angeblichen Opfers in Deutschland noch einmal Anzeige erstattet und sich über die Einstellung beschwert hatte, wurden hier die Ermittlungen - zur großen Überraschung des Beschuldigten - von der Staatsanwaltschaft Köln wieder aufgenommen.

 

Mit dem freisprechenden Urteil hat ein nunmehr seit fünf Jahren schwebendes Verfahren seinen Abschluss gefunden.

Der junge Mann hatte im Jahre 2011 gemeinsam mit seiner Freundin Urlaub in der Türkei gemacht, hier lernte er unter anderem eine junge Frau kennen, mit welcher es später zu sexuellen Kontakten kam. Im Anschluss hieran behauptete die junge Frau gegenüber ihrer Mutter, vergewaltigt worden zu sein - eine Anzeige wolle sie aber nicht erstatten.

Die angebliche Vergewaltigung, die später vor dem Landgericht Köln verhandelt werden sollte, habe sich am Abend an einem Strand ereignet. Die näheren Angaben hierzu waren - je nach Vernehmung - unterschiedlich.

Gegen den jungen Mann wurde sodann aufgrund der Vorwürfe in der Türkei zunächst die Untersuchungshaft angeordnet, das Verfahren von den türkischen Behörden gründlich bearbeitet und der Sachverhalt überprüft. Dieser kamen nach eingehender Prüfung zu dem Ergebnis, dass es die behauptete Vergewaltigung so jedenfalls nicht gegeben haben konnte. Die Angaben der Zeugen hierzu waren nicht stichhaltig und im übrigen nicht glaubwürdig.

Nach der Einstellung wandte sich der Vater an die deutschen Behörden um sich gegen die Einstellung des Verfahrens zu beschweren. Diese nahm die Ermittlungen wieder auf, die Staatsanwaltschaft Köln erhob in der Folge Anklage zum Landgericht Köln wegen des Vorwurfs der Vergewaltigung.

Die im Rahmen des Verfahrens sodann vernommene Belastungszeugin - die sogar auf Staatskosten als Nebenklägerin auftrat - konnte den Urlaub sowie alle hiermit im Zusammenhang stehenden Ereignisse problemlos, detailliert und nachvollziehbar schildern; seltsam und auffallend und wenig detailreich wurden die Schilderung jedoch zum sogenannten Kerngeschehen des sexuellen Übergriffs.

Nicht nachvollziehbar war beispielsweise, dass das "Opfer" von der sexuellen Annäherung des späteren Angeklagten völlig überrascht gewesen sein will - obwohl sie am Abend vorher mit einem anderen Jungen noch am selben Strand geknutscht hatte. Zudem war bereits auf dem Hinweg zum Strand ein Gespräch über sexuelle Themen sowie mögliche Verhütungsmethoden geführt worden. Auch ein solches Gespräch legte den Schluss nah, dass man sich gemeinsam mit entsprechend definierten Zielen zu dem Strand begeben hatte und die Behauptung des überraschenden Sexualkontakts - sowie die eines nicht einvernehmlichen Sexualkontaktes auch insgesamt - nicht zutreffend sein konnte.

Auch die Angaben zu den genauen Ablauf des Geschehens, Körperpositionen und anderen Dingen waren dem selbst ernannten Opfer entweder nicht mehr möglich oder erschienen abwegig und mit den Schilderungen realer Vergewaltigungsopfer nicht in Einklang zu bringen.

Im Ergebnis sprach das Landgericht Köln den Angeklagten vom Vorwurf der Vergewaltigung vollumfänglich frei - hiermit endet für diesen eine nunmehr seit einem halben Jahrzehnt andauernde Zeit der Ungewissheit.

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