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Mitteilungen und Verfahren

01.06.2017

Von: Nikolai Odebralski

schwere Brandstiftung: Freispruch für Hauseigentümer (Norden)

Das Amtsgericht Norden hat einen Angeklagten von dem Vorwurf freigesprochen, im Jahre 2015 zunächst seinen eigenen Hof angezündet - und anschließend einen Versicherungsbetrug in Höhe von fast 900.000 € (zu Unrecht) angemeldet zu haben.

Die Staatsanwaltschaft Aurich hatte dem Beschuldigten vorgeworfen, sein Elternhaus zunächst angezündet zu haben. Zudem habe er anschließend den Schaden bei der Versicherung gemeldet und hierbei nicht angegeben, dass er selbst das Feuer verursacht habe. Hierdurch habe der Angeklagte - so die Anklage - versucht, die Versicherungssumme in Höhe von 900.000 € zur Auszahlung zu bringen - obwohl ihm diese nicht zugestanden hätte. Der Beschuldigte Hauseigentümer schwieg zu den Vorwürfen.

Hinsichtlich der Beweislage war weder ein Motiv erkennbar, noch waren andere überzeugende Beweismittel vorhanden: so hatte der Mann beispielsweise bereits in der dritten Generation in seinem Elternhaus gewohnt, welches ihm auch nach Angabe von allen Beteiligten äußerst am Herzen lag.

Zudem war das Haus erheblich unterversichert, sodass sich der Beschuldigte durch den Brand wirtschaftlich erheblich verschlechterte. In der Verhandlung vor dem Amtsgericht Norden ließen sich die ohnehin spärlich vorhandenen Beweisanzeichen jedenfalls nicht zu einer festen Beweiskette zusammenfügen.

Eine Frau sagte beispielsweise in der Verhandlung aus, sie habe den Beschuldigten Hauseigentümer am Morgen nach dem Brand getroffen und diese habe nach kaltem Rauch gerochen - hierbei handelt es sich aber um einen Geruch, welchen sie von dem Beschuldigten kennt da er in seiner Wohnung einen offenen Kamin habe. Auch die Feststellung, der Beschuldigte habe nachdem man ihm gesagt habe dass sein Hof brannte seltsam bzw. unbeteiligt reagiert ließ sich nichts als Indiz einer Täterschaft werden - da nicht festgestellt werden konnte, ob dies überhaupt die erste Mitteilung an ihn bezüglich des Brandes war.

Insofern schloss sich dem Gericht am Ende der Beweisaufnahme der Forderung der Verteidigung an, und sprach den Angeklagten frei - im übrigen sehr zum Missfallen der beiden Versicherungsvertreter, welche extra zum Prozess aus Darmstadt angereist waren. 

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